Sabine Hirtes
Die neue Machbarkeit von Bildern


In den letzten Jahren machen immer mehr Filme mit aufwendigen Special Effects von sich reden.
Seien es nun "Terminator", "Roger Rabbit", "Jurassic Park", "Toy Story", "Forest Gump", "Twister" oder "Independence Day" - in allen spielt der Einsatz digitaler Techniken eine große Rolle. Diese Techniken ermöglichen es mittlerweile, verschiedene Bildebenen so miteinander zu kombinieren, und synthetische Darsteller und Sets so zu erzeugen und in den Realfilm einzubinden, daß sie nicht mehr von der Realität zu unterscheiden sind. Aber auch aus anderen Bereichen wie den Fernsehsendern, der Werbung, Musikvideos, CD-ROM- Produktionen, Computerspielen und natürlich auch dem Print-Bereich sind digitale Techniken nicht mehr wegzudenken.

Die Hard- und Software zur digitalen Bearbeitung und Erzeugung von Bildern hat sich in den letzten fünf Jahren rasant entwickelt. Mittlerweile gibt es neben Systemen, die Videobilder in Echtzeit bearbeiten können, auch Systeme, die Filmbilder fast in der gleichen Geschwindigkeit verarbeiten. Immerhin besitzen diese als Minimum eine Auflösung von 2048 x 1556 Bildpunkten (im Vergleich dazu Betacam SP: 768 x 576, VHS: 640 x 480) und belegen einen Speicherplatz von mehreren Megabytes. Eine Sekunde Film besteht aus 24 Einzelbildern, so daß leicht hochzurechnen ist, was für immense Datenmengen sich bei mehreren Minuten ansammeln. Die Softwarepakete bieten als anwählbare Funktionen zur Bearbeitung sowohl die klassischen Effekte für Film und analoges Video an, als auch Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten, die erst die digitale Technik ermöglicht hat.


Digitale Bildbearbeitung läßt sich grundsätzlich in zwei Gruppen aufteilen, die Bearbeitung und Veränderung bereits vorhandenen Bildmaterials und die Erzeugung computergenerierter Welten und Darsteller. Zusätzlich können natürlich beide miteinander kombiniert werden, wie es bei den meisten Produktionen, seien es Videos oder Film, auch praktiziert wird. Die Raumschiffe in "Independence Day" sind teilweise computergeneriert, teilweise Modelltrick, die Landschaften sind real und das Zusammenfahren der verschie-denen Bildebenen erfolgt wiederum digital.

Seit es Bilder gibt, gibt es auch Fälschungen und Manipulationen an ihnen, aber mittlerweile sind die Techniken so ausgereift, daß unser Auge die künstlichen Bilder nicht mehr von den realen unterscheiden kann. Film, als rein mechanische Wiedergabe der Wirklichkeit, wird erweitert zu einem Medium, das völlig neue, bisher nur erdenkbare und in der Phantasie bestehende andere Realitäten darstellen kann. Viel hängt aber auch von den Leuten ab, die mit den Techniken umgehen, und denen, die die Planung der Szenen und Bilder übernehmen. Viel Erfahrung ist nötig, um mit den komplexen Werkzeugen, die die Softwarepakete anbieten, so umzugehen, daß die perfekte Täuschung des Auges gelingt.


Der klassische Filmtrick und die analoge Videotechnik haben den Grundstein für viele der heutigen Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung gelegt. Verschiedene Bildebenen werden mittels Masken oder verschiedenster Keytechniken übereinandergelegt, Farbveränderungen, Verzerrungen, Blenden, Doppelbelichtungen, Größenveränderungen, Zeitlupe und Zeitraffer, um nur einige zu nennen - all dies sind altbekannte Tricks, um Filme zu machen, und all dies ist übernommen und perfektioniert worden.
Es gibt aber auch neue, nur digital mögliche Effekte, wie z.B. das Morphing, das jeder aus Werbespots kennt (Guhl, Esso).

Seit ca. 10 Jahren gibt es einen ganz neuen Bereich, die 3D Computeranimation, die in diesem Zeitraum eine exponentiale Entwicklung durchlaufen hat und verstärkt Einzug in Bilder und Filme hält. Mitte der 80er Jahre begann es mit den "Flying Logos", die den für damals typisch glatten, sauberen Computerlook hatten. Heute ist es mittlerweile möglich, realistische Szenarien auf dem Computer zu generieren und auch im Bereich synthetischer Darsteller sind schon erstaunliche Ergebnisse erzielt worden. Der metallene Terminator oder die Dinosaurier aus Jurassic Park waren die ersten überzeugenden Beispiele für die Möglichkeiten im 3D Bereich. In den kommenden Jahren wird die Computeranimation mehr und mehr den klassischen Modellbau und die klassische Special Effect Produktion ablösen. Es wird einfach kostengünstiger sein, ein computergeneriertes Modell in die Luft zu sprengen und vor allen Dingen ist dies im Computer jederzeit wiederholbar und veränderbar. Jedes Jahr kommen neue Soft- und Hardwareprodukte auf den Markt, die immer neue Werkzeuge zur realistischen Erzeugung von künstlichen Bildern liefern.


Computeranimation hat sich mittlerweile aber auch zu einem eigenen Bereich im Genre des Animationsfilms, mit einer ganz eigenen Ästhetik, entwickelt. "Toy Story", der erste komplett mit 3D Software hergestellte Film, zeigt das durchaus beeindruckend.

Ein weiterer, ganz neuer Aspekt eröffnet sich mit der Möglichkeit der Schaffung virtueller Welten, die nicht nur auf dem Monitor abgebildet sind, sondern in denen sich der Betrachter in einen Akteur verwandelt, denn er bewegt sich in ihnen und agiert mit den Objekten und Wesen dort und anderen Besuchern aus der "wirklichen Welt".

Dieser Bereich steckt sicher noch in den Kinderschuhen, die Welten sehen noch arg pixelig aus und die Bewegungen noch ruckartig, aber auch hier geht die Entwicklung in rasantem Tempo voran.
Hiermit eröffnet sich ein ganz neues und anderes Empfinden von Realität, und es ist noch nicht abzusehen, was für Auswirkungen dies auf unser Leben haben wird - doch dies ist ein Aspekt, der sicher einen eigenen Vortrag verdiente.



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