Susanne Roth
Ursprung, kommerzielle Firmenauftritte,
Status Quo, Rechtssituation



Seit 1994 ist das Wort Datenautobahn ein feststehender Begriff geworden:
Gemeint ist damit die Datenübertragung im großen Stil, sei es mit ISDN, Multimedia, interaktivem Fernsehen oder auch dem Internet.

Das Internet wurde Ende der 60er Jahre von amerikanischen Universitäten entwickelt und zur Datenkommunikation genutzt. Jetzt beginnt es, in das Bewußtsein eines größeren Publikums zu rücken und droht dort zu kommerzialisieren. Grund dafür ist der neue Service des World Wide Web (www): Ein plattformunabhängiges System, das auch grafische Informationsdarstellungen erlaubt. Der Vorteil ist, daß der User sich mit der Maus und Links im Netz bewegen kann, ohne komplizierte Befehle ausführen zu müssen.

Mitte der 60er Jahre versuchte das amerikanische Verteidigungsministerium, das Problem zu lösen, militärische Kommunikation in einem eventuellen Kriegsfall aufrechtzuerhalten, selbst wenn große Teile des Telefon- und Kommunikationsnetzes lahmgelegt sein sollten. Paul Baran von der Rand Corporation kreierte ein neuartiges Computernetz, das im Gegensatz zu den damals vorhandenen Systemen, keine direkte Verbindung zwischen Sender und Empfänger vorsah und versuchte, so wenig Regeln wie möglich aufzustellen. Die Idee bestand darin, Nachrichten in einzelne Datenpakete aufzuteilen, jedes Paket mit einer Adresse zu versehen und es sich seinen Weg durchs Netz suchen zu lassen. Die Route, über die die einzelnen Päckchen weitergereicht werden, steht vorher nicht fest. Jede Station - jeder Knoten - analysiert die Adresse eines ankommenden Päckchens und sendet es in Richtung der Empfängerstation weiter. Falls ein Zwischenrechner ausfallen sollte, wird der Datenstrom einfach über einen anderen Knoten umgeleitet. Durch dieses Verfahren ist die Nachrichtenübertragung tatsächlich unanfällig gegen Ausfälle von Teilen des Systems. Die Datenpäckchen brauchen auch nicht in der richtigen Reihenfolge beim Empfänger anzukommen. Die Empfängerstation wartet, bis alle Daten bei ihm angelangt sind und setzt sie dann in der richtigen Reihenfolge wieder zusammen.

1969 wurde vom US-Verteidigungsministerium ein solches Netzwerk mit dem Namen Arpanet realisiert. Es gilt als die Geburt des Internet. Anfänglich bestand es aus vier Knoten. Seine Aufgabe war es, Kapazitäten teurer Großrechner möglichst vielen Benutzern zur Verfügung zu stellen und somit die Auslastung der Rechner zu steigern. Damit sollte auch Wissenschaftlern anderer Universitäten eine Zugangsmöglichkeit verschafft werden. Das Hauptinteresse der Anwender konzentrierte sich aber bald mehr auf die Übertragung von persönlichen E-Mails, als der Fernnutzung der Großrechner.
In den 70er Jahren wurde das Arpanet weiter ausgebaut: 1977 waren schon 111 Knoten im Netz installiert. Daneben wurden auch noch weitere öffentliche Netzwerke aufgebaut, wie:

UUCP (Unix to Unix Copy),
ein Netzwerk, das Unix-Rechner verbindet;

Usenet (User's Network),
ein weltweiter Diskussionsclub, ursprünglich in Konkurrenz zum Internet, inzwischen aber Teil desselben;

BITNET (Because it's Time Network),
Verbindung zwischen IBM-Rechnern;

Alle Netze werden durch spezielle Verbindungen gekoppelt, so daß Nachrichten und Daten ungehindert ausgetauscht werden können. Diese Netzwerke sahen anfangs keine kommerzielle Nutzung vor, sie waren für den privaten und wissenschaftlichen Nachrichtenaustausch gedacht.

1986 wurde das National Science Foundation Network (NSFNET) gegründet, das die Verbindung der Netzwerke durch leistungsfähige Rechenzentren und Datenübertragungsleitungen garantierte. Die meisten Netzwerke schlossen sich Ende der 80er Jahre dem NSFNET an, das daraufhin rasch expandierte und heute das Internet bildet.

Im Januar 1995 wurde die Gesamtzahl von fünf Mio. Rechnern erreicht. Die Grundidee von 1969 hat sich bis heute gehalten: Jeder Knoten ist für sich selbständig, und keine Organisation kontrolliert das Internet allein. Jeder, der die technischen Möglichkeiten besitzt, kann sich an das Internet anschließen. Regeln werden nach einer mehrheitlichen Übereinkunft aufgestellt, so daß niemand einzeln über Teile des Internet bestimmen kann. Wem bestimmte Regeln nicht gefallen, kann versuchen, genügend gleichdenkende Mitstreiter zu finden und sich einen eigenen Bereich mit eigenen Regeln zu schaffen.

Während das www (meist) und das FTP konsumiert werden, ist das Usenet eine Art weltweites und öffentliches Schwarze-Brett-System, auf dem elektronische Nachrichten angeheftet und abgelesen werden. Eigentlich sind es eine Anzahl von schwarzen Brettern mit verschiedenen Themenstellungen. Als Usenet-Teilnehmer abonniere ich (kostenlos) eine oder mehrere Newsgroups und kann so die entsprechenden Nachrichten lesen und kann eigene elektronische Nachrichten hinterlassen.

Das Usenet funktioniert technisch folgendermaßen: Unabhängige private und öffentliche Rechenzentren kopieren, speichern und leiten die Usenet-Artikel weiter. D.h. auf Grund umfangreicher E-Mail Adressen werden die entsprechenden Nachrichten hundertfach vervielfältigt und weltweit weitergeleitet.

(Negativbeispiel dieses Effekts: Mailbombe - Mailingliste: Schneeballeffekt / Überflutung von Daten)

Dies ist eine grundsätzliche Darstellung des Prinzips des Internet.


Das Internet ist also keine Dachorganisation sondern ein Zusammenschluß von Computern: 90 Prozent aller Domain sind in Privathand.
Wo stehen wir heute und wo liegt die Zukunft des Internet:

drei Phasen

erste Phase: Image
"Ich habe meine Homepage, bzw. Broschüre im Internet",
E-Mail Adresse

zweite Phase: Kundenbindung
"Ich präsentiere meine Inhalte",
z.B. meine Kundenzeitschrift
hier stehen wir

dritte Phase: Business on the Internet
Geht über das Internet hinaus d.h. alle meine Kommunikation (intern und extern) läuft über das Internet
Beispiel: Unternehmen


Nutzer-Gruppen des Internet:

1. Konsumenten:
Gut 20 Mio. Menschen weltweit, so schätzt man, surfen durch das Internet auf der Suche nach Überraschungen, Wissen, Unterhaltung, Infos über Produkte und Dienstleistungen ...

2. Inhalte-Anbieter:
Verlage, Fernsehsender, Film- und Multimedia-Produktionsfirmen ...

3. Marketer:
Firmen, die Produkte bewerben, von Food bis Autos, Informationen bis Dienstleistern ...

4. Infrastruktur-Anbieter:
Hersteller von Hardware und Software, Service-Providern, Werbeagenturen ...

Noch läuft der Webverkehr in eine Richtung, in der die Kundschaft zum Angebot gezogen werden muß, was für die Konzerne eine ganz unbequeme, weil aufwendige Sache ist, und als Pull-Marketing bezeichnet wird. Das Gegenstück des weniger aufwendigen Push-Marketing ist heutzutage nur per E-Mail möglich.
Trotzdem gibt es bereits Positivbeispiele aus dem kommerziellen Bereich. Hier kurz umrissen einige davon:

1. Die Tourismusbranche hat das Internet entdeckt;
z.B. die Österreicher oder alleine das Fremdenverkehrsamt München, http://www.bayern.de/München, haben gute Erfahrungen gemacht: in den knapp ersten fünf Monaten nach der Netzanbindung wurden ca. 790.000 Nachfragen - über 50 Prozent aus dem Ausland - gezählt. Zudem können unter dem Dach von Tourismusorganisationen, einzelne Kommunen eigene Seiten im Web schalten, zu Preisen, die als Einzelanbieter nicht zu realisieren wären. Zusätzlich läßt sich überprüfen, wieviel und wer sich welche Seiten angesehen hat. Online-Wetterdienste und Reiseveranstaltungsreisen sind mit Musik und Videoeinspielungen unterlegt. D.h. klassische Werbung, wie Anzeigen in deutschen Zeitungen, sind fast völlig zurückgefahren worden.
(Kurdirektor Martin Watschinger; Insight Kommunikation 5 / 1996) ... bei 3,- DM pro real geworbenem Kunden kann kein anderes Medium mithalten.

2. Online-Buchdienst
Was vormals auf CD-Rom alle paar Monate in die einzelnen Buchfilialen geliefert werden mußte, kann nun bequem am eigenen Bildschirm aktualisiert werden und spart dem Buchhandel zudem noch Personalkosten. Denn sowohl die Recherchen, als auch die nachfolgende Bestellung nimmt der Kunde jetzt selber vor und erwartet zu Hause sein Buch-Paket. Auf diese Weise halten die Buchläden an ihren alten Geschäftsverbindungen fest und kommen trotzdem in den "Genuß" des schlankeren Vertriebssystems.1) Diese Entwicklung trifft den Zwischenhandel existentiell, fördert aber gleichzeitig auch die Kaufbereitschaft und zeigt vor allem eines: Das Medium Buch ist noch lange nicht tot, und seine Verfügbarkeit wird durch die Digitalisierung eher noch gefördert.

3. "Intelligent Agents" sind Software-Programme, die uns User ganz genau kennenlernen wollen, um unser Informationsbedürfnis ganz präzise befriedigen zu können. (Entwickelt von drei MIT-Absolventen: Media Lab der Bostoner Elite-Uni MIT). Der neue Dienst im www preist sich als "Agent für jedermann an" unter dem Namen FIREFLY und empfiehlt Schallplatten und Filme. Das Prinzip von FIRE-FLY funktioniert folgendermaßen: Wer sich bei FIREFLY einloggt, muß erst einmal eine Reihe von Schallplatten u. a. beurteilen. So lernt das System seinen User kennen, und je länger man, in FIREFLY interagiert, desto besser kennt es seinen User, und desto genauer fallen seine Empfehlungen aus. Das System lernt nicht aus. Auch in unserer Abwesenheit sammelt es weiter Musiktips, und wenn man sich wieder einloggt, wartet schon eine Sammlung von neuen Plattenempfehlungen.

FIREFLY hat sozusagen die Mundpropaganda automatisiert. Das System geht sogar noch einen Schritt weiter, es lernt nicht nur seine Benutzer genauer kennen, sondern kombiniert seine Vorlieben mit der "kollektiven Intelligenz" des ganzen Systems. Bisher können nur User in den USA via FIREFLY Musik-CD's bestellen - Vertriebspartner in Europa werden zur Zeit noch gesucht (InSight 5 / 1996). Die Haupteinnahmequelle von FIREFLY soll darum Werbung sein, die ihre Zielgruppe in- und auswendig kennt.

All diese Beispiele zeigen, daß viele Berufsgruppen reduziert, bzw. eliminiert werden. Andererseits entstehen völlig neue Aufgabenbereiche mit neuen Berufsgruppen.
Um nur Einige zu nennen:

1. Art-Producer:
Werbe- und Medienvorlagenhersteller
(ehemals: Grafischer Zeichner, Positiv-Retuscheur, Reinzeichner - Druckvorlagenhersteller;
drei Lehrjahre: zwei Entwicklungen möglich: Gestaltungsgelagert und technisch gelagert.)

2. HTML-Designer:
Page-Designer = der klassische Layouter

3. Web-Master:
technischer Programmierer der HTML-Seiten und Serviceleistungen für Serverbetreuung / -pflege.

4. Medien-Gestalter:
"Rund um's Fernsehen", Schneiden, Ton, Bild - von allem etwas = eher freier Job


4.1. Kaufverträge und Zahlungsverkehr
4.2. Domain-Namen und Markenschutz
4.3. Urheberrecht und Kontrolle

Die gesetzlose Pionierzeit an der "elektronischen Front" geht dem Ende zu. Die seßhaft gewordenen Siedler im Cyberspace wollen sichere Geschäfte machen. Doch welche Gesetze sind gültig?!

4.1. Kaufverträge und Zahlungsverkehr
Unser Recht basiert auf den klassischen Formen der Kommunikation: Der Beweiswert von Schrifturkunden und Briefen ist besonders hoch, Computerausdrucke gelten dagegen eher als unsicher. Online-Vertragsschlüsse werden mangels eigener Regelungen als "Willenserklärung unter Abwesenden" erfaßt ... was mit der digitalen Welt kaum noch etwas zu tun hat. Grundsätzlich werden im Internet die gleichen Verträge geschlossen wie in der realen Welt. Wer im Netz Waren kauft, bedient sich nur einer neuen Kommunikationsmethode, um seine Bestellung aufzugeben. Rechtlich macht es keinen Unterschied, ob eine Bestellung per Briefpost oder E-Mail verschickt wird. Das Problem dabei ist, daß grundsätzlich immer derjenige, der sich auf den Inhalt eines Briefes beruft, auch beweisen muß, daß der Empfänger ihn unversehrt erhalten hat. Im Netz aber hängt dieser sogenannte Zugangsnachweis von technischen Zusammenhängen ab. Die bisher verwendeten Verfahren genießen weder allgemeines Vertrauen, noch sind sie bei den Gerichten im Detail bekannt ... Ein anderes Problem ist die Unterschrift. Beim heutigen Stand der Technik enthält keine digitale Signatur, sei sie noch so sicher oder zertifiziert, ein biometrisches Merkmal. Das heißt, es kann nicht eindeutig nachgewiesen werden, das wirklich Person X unterschrieben hat. Fest steht nur, daß jemand den privaten Schlüssel, der der Person X gehört, benutzt hat, nicht aber, ob der Benutzer mit dieser Person identisch ist. Solange es kein solches biometrisches Erkennungsverfahren gibt, etwa einen Fingerabdruck neben der Tastatur, wird dieses Manko unseren Rechtsalltag weiterhin begleiten. Diese Situation ist nicht neu, denn im bargeldlosen Zahlungsverkehr leben wir auch schon seit geraumer Zeit damit: Bei EC-Karten ist die Benutzung nur an die Kenntnis der PIN-Nummer geknüpft. Das PIN-Verfahren halten die deutschen Gerichte für so sicher, daß der Kunde normalerweise die Beweislast für eine fehlerhafte Abbuchung trägt. Es wird unterstellt, daß die unberechtigte Verwendung einer PIN-Nummer nur auf einer Nachlässigkeit des Kunden beruhen kann. Eine zweifelhafte Methode, wenn man berücksichtigt, wie oft man schon an ungeschützten POS-Terminals in Kaufhäusern, Tankstellen und so weiter Alltagswaren bezahlt hat. Letztlich nimmt jeder, der die Vorteile des elektronischen Zahlungsverkehrs ausnutzen will, egal, ob im Internet oder per vernetztem Automat, auch ein neuartiges, elektronisches Risiko auf sich. Letztendlich sind ganz allgemein bessere Schutzmechanismen notwendig. Diese werden die Banken allerdings wohl erst dann einbauen, wenn sie selber und nicht der Kunde das Haftungsrisiko übernehmen, bzw. die Beweislast tragen müssen.

4.2. Domain-Namen und Markenschutz
In diesem Bereich gibt es bereits die ersten Gerichtsentscheidungen, nach denen die gewerbliche Verwendung eines einprägsamen oder allgemein bekannten Firmennamens einer anderen Firma auf jeden Fall rechtswidrig ist. (Die Stadt Heidelberg hat z.B. einen solchen Prozeß gewonnen.)
Das Prinzip der Einmaligkeit von Domain-Adressen ist aber kein wettbewerbsrechtliches Prinzip, so daß der Prioritätsgrundsatz grundsätzlich akzeptiert wird. Wer zufällig Hugo Boss heißt, darf seinen zuerst erteilten Domain-Namen behalten - auch um privat im Netz aktiv zu sein. Nach deutschem Recht entsteht dadurch ein Wettbewerbsverhältnis mit dem "verwechselten" Gewerbetreibenden, selbst wenn es nicht um Herrenbekleidung geht. Der Verwechselte kann durch eine einstweilige Verfügung ein schnelles Ende herbeiführen. Schwierig wird es bei Namen aus dem öffentlichen Leben, wie etwa Helmut Kohl: Handelt es sich um den Bundeskanzler, ist dessen Auftritt im Netz nicht gewerblich, sondern politisch. Es gibt sicher zahlreiche andere Helmut Kohls, die alle für sich den Prioritätengrundsatz in Anspruch nehmen dürfen. Ist einer von ihnen schneller als der Kanzler, muß sich dieser eine andere Schreibweise ausdenken. Deshalb gilt es, seinen Namen registrieren zu lassen, solange ihn noch kein Namensvetter besitzt. Nicht zu schützen sind allgemeine Suchbegriffe wie "Bank", "Kaufhaus", "Hundefutter". Sie werden trotzdem gerne reserviert. Firmen mit solchen Domain-Namen bieten häufig die entsprechenden Produkte gar nicht selber an, sondern verkaufen lediglich Werbeplätze oder Links an die eigentlichen Anbieter. Wer für werbliche Zwecke mit der Adresse "Bank" wirbt, muß nämlich in der Lage sein, auf diesem Markt das gesamte Leistungsspektrum anzubieten.



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