Florian Adler, Berlin
(Intendanz)


Florian Adler
studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin
1980 Praktikum bei Otl Aicher in Rotis,
1985 Meisterschüler.
Seitdem freiberuflich als Grafiker tätig.
1989 Gründung eines gemeinsamen Büros mit Hans-Peter Schmidt.
Seit 1997 Mitglied im Forum für Entwerfen, seit 2003 Mitglied des Vorstands.
Adler & Schmidt sind spezialisiert auf Corporate und Informations-Design.
Auftraggeber sind u.a. der Senat von Berlin, das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, der Bund Deutscher Architekten BDA und weitere öffentliche und privatwirtschaftliche Verbände und Unternehmen.
http://www.adler-schmidt.de


»Farbe ist ein Phänomen. Je mehr wir uns mit ihr beschäftigen, desto weniger wissen wir.«


Einführung

Farben sind allgegenwärtig. Sie erfüllen in der uns umgebenden Natur wie auch in der menschlichen Kommunikation unterschiedliche Aufgaben. Sie tragen Bedeutungen und bewirken Reaktionen.
In der Gestaltung setzen wir Farbe in drei Funktionen ein:
- als Informationsträger, zur Unterscheidung oder Kodierung verschiedener Sachverhalte,
- als Signalträger, um auf etwas aufmerksam zu machen, vor etwas zu warnen oder etwas zu tarnen,
- als Gefühlsträger, als Vermittler von Anmutungen und Emotionen oder zur Attraktivitätssteigerung.
In jedem Fall ist Farbe immer – ob bewusst oder unbewusst – Träger einer Botschaft. Aber meistens richten wir uns nach ganz persönlichen Farbpräferenzen und setzen schlicht unsere »Lieblingsfarbe« ein. Oder die unserer Auftraggeber. Für knapp 40% aller Deutschen ist das, nach den Untersuchungen von Eva Heller, die Farbe Blau (1). Der Prozentsatz von Blau als Primärfarbe in den bundesdeutschen Corporate-Design-Handbüchern dürfte noch höher liegen.
Übrigens soll Degas über Cezanne gesagt haben: »Der glaubt, dass ein Kilo Blau blauer ist als ein Pfund.«(2)
Was also ist Farbe – was macht ihre Wirkung aus?
Ist Farbe eine Oberflächeneigenschaft von Objekten, also die Folge von Mischungen verschiedener Farbpigmente? Ist sie eine Eigenschaft des Lichtes, das je nach Oberflächenbeschaffenheit von Objekten absorbiert oder reflektiert wird und mit unterschiedlichen Wellenlängen auf unsere Netzhaut trifft? Oder ist Farbe eine reine Konstruktion unseres Geistes? Etwas, das abhängig ist von Erfahrung und Gelerntem, das je nach kulturellen und gesellschaftlichen Prägungen erst in unserem Bewusstsein entsteht?
Wenn die Dinge selbst keine Farbe besitzen, wie sieht dann die Welt aus, wenn wir sie nicht wahrnehmen? Die Antwort darauf lautet bei Psychologen und Kognitionsforschern: »Wenn wir die Welt nicht sehen, sieht sie garnicht aus.« (2)
Also hat Johannes Itten recht, wenn er sagt: »Farbe ist Leben, denn eine Welt ohne Farben erscheint uns wie tot.« (3)
Oder – wie mir eine Kollegin schrieb: »Farbe ist das Lächeln der Natur«.
In diesem eineinhalbtägigen Forumgespräch werden wir uns dem Phänomen Farbe nur fragmentarisch und nur in Ansätzen nähern können. Dabei möchten wir neben allgemein-theoretischen auch sehr praktische Fragen erörtern. Dazu gehören:
- die systematische Erfassung und Definition von Farben,
- die Problematik von Farbe im Internet,
- Farbe und Identität in der Architektur,
- die Präsentation von Gestaltungsbeispielen aus der Praxis.

Damit wir nicht nur über Farben reden, sondern auch sehen und spüren können, haben wir aus dem Bestand von Herbert Kapitzki handangemischte Siebdruckbögen zu Farbkarten zugeschnitten und bitten euch, im Lauf dieser zwei Tage eure persönlichen Farbpräferenzen an der vorbereiteten Tafel zu positionieren. Wir wünschen uns damit eine farbige Momentaufnahme unserer Zusammenkunft.

(1) Eva Heller: Wie Farbe wirken, Rowohlt Verlag, 1989
(2) Gisla Gniech, Michael Aurel Stadler: Die Farbe, Donat Verlag, 2000
(3) Johannes Itten: Kunst der Farbe, Ravensburger Buchverlag, 1970



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